Alte Musik – neu interpretiert 300 Jahre Gradus ad Parnassum

Mi, 09.04.  |  19:30-21:00  |  Ö1
Johann Joseph Fux’ berühmte Kompositionslehre und ihr langer Nachhall

Johann Joseph Fux, geboren in Hirtenfeld nahe St. Marein bei Graz, war ab 1701 Kapellmeister am Wiener Stephansdom, ab 1715 Hofkapellmeister in kaiserlichen Diensten sowie Komponist eines umfangreichen geistlichen wie weltlichen Werks. Im Alter von rund 65 Jahren veröffentlichte er 1725 eines der einflussreichsten Lehrwerke des Barock und darüber hinaus: „Gradus ad parnassum“ (Stufe oder Stufen zum Parnass, dem Apollo geweihten Berg, Sitz der Musen und Sinnbild der Kunst). Das Buch, bald ins Deutsche und Italienische sowie in Teilen in weitere Sprachen übersetzt, ist eine systematische Zusammenfassung der Regeln des Kontrapunkts. Zum Teil in didaktischen Dialogen verfasst – zwischen einem Meister, Aloysius, und seinem Schüler, Joseph – entwickelt Fux in fünf Schritten oder Stufen (die Fux Gattungen nennt) eine Grammatik der Komposition, wie sie über viele Jahrhunderte in der abendländischen Musik gültig war.Der „Gradus ad Parnassum“ blickt allerdings eher zurück als voraus – und hält ein Ideal und Regelwerk fest, wie es in der Polyphonie der Renaissance etwa in den Kompositionen eines Giovanni Pietro Aloisio Sante da Palestrina Vollendung gefunden hat (der „Aloysius“ des Lehrwerks). Regeln, an die allerdings schon Fux sich in seiner eigenen Praxis nicht immer konsequent gehalten hat, erklärt Thomas Hochradner, Musikhistoriker am Mozarteum in Salzburg und Herausgeber des thematischen Verzeichnisses von Fux’ Werken.Joseph Haydn hat das Lehrwerk gründlich studiert, Leopold Mozart damit Wolfgang Amadeus unterrichtet, Beethoven es hochgeschätzt, viele andere sich damit auseinandergesetzt. „Es hat Internationalität gewonnen wie keine andere Schrift des 18. Jahrhunderts und über den Bruch vom Barock zur Klassik hinaus Einfluss genommen“, erklärt Thomas Hochradner, „weil man erkannt hat, dass die Beherrschung des Kontrapunkts notwendig ist, um größere Formen weiterzuentwickeln, wie das Streichquartett oder die Symphonie."Johann Kneihs spricht mit Thomas Hochradner darüber, was den "Gradus ad Parnassum“ unter den Lehrwerken besonders macht. Dazu passend erklingt Musik nach allen Regeln des Kontrapunkts (wie auch mit Regelverstößen), von Giovanni da Palestrina bis Johann Joseph Fux, dessen Opern etwa in den vergangenen Jahren in einem Zyklus des Festivals Styriarte zu erleben waren.

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